Der gebьrtige Bayer schien nur fьr den Militдrdienst geboren worden zu sein. Bereits im Alter von 19 Jahren meldete er sich 1911 in die kцniglich-bayrische Armee. Wдhrend des Ersten Weltkrieges diente er als Unteroffizier in verschiedenen Artillerieregimentern an der Westfront sowie dem Elite-Sturmbataillon 2, ehe er sich 1917 in die erste deutsche Panzertruppe versetzten lieЯ. Durch besondere Tapferkeit im Gefecht aufgefallen, beendete Dietrich den Krieg als hochdekorierter Vizewachtmeister - wohlgemerkt nicht als Offizier.
In den frьhen Zwanzigerjahren schloss er sich, inzwischen Angehцriger der Landespolizei, einem Freibund an und bekдmpfte polnische Freischдrler in Oberschlesien. Im November 1923 nahm Polizei-Hauptmann Dietrich am erfolglosen Hitler-Putsch in Mьnchen teil. Fьnf Jahre spдter wechselte er dann als einer der ersten zur eben gegrьndete SS (Schutzstaffel) und wurde auf Anhieb Standartenfьhrer. Als Kommandeur des militдrischen Armes der NSDAP gehцrte er bald zum engsten Kreise Hitlers, mit dem er auch befreundet war.
1934 wurde Dietrich in den Rang eines Gruppenfьhrers erhoben, ohne je eine ausgiebige Offiziers- oder Taktikausbildung durchlaufen zu haben! Es war damals aber auch nicht abzusehen, dass dieser Rang spдter mit der Fьhrung groЯer Frontverbдnde gekoppelt sein wьrde - diese fehlende Erfahrung sollte sich zum Beispiel im Westfeldzug bemerkbar machen, als Dietrich mit seinem Regiment stets wild angriff, jedoch wiederholt die Ьbersicht und damit den Anschluss an die (Heeres-)Nachbareinheiten verlor.
Bei Kriegsbeginn kommandierte Dietrich das Regiment SS-"Leibstandarte", das er in den folgenden Jahren zu einem der hдrtesten und gefьrchtetsten Elite-Frontverbдnde der Wehrmacht ausbaute. So dienten 1939 u.a. die spдteren Schwertertrдger Otto Baum, Kurt Meyer, Wilhelm Bittrich, Jochen Peiper, Hinrich Schuldt und "Teddy" Wisch in der "Leibstandarte".
Nach Teilnahme an der Schlacht an der Bzura stьrmte das Regiment ьber die Weichsel, besetzte Modelin und kдmpfte bei Warschau. Im Westfeldzug bewдhrte sich die stets wild vorstoЯende SS-"Leibstandarte" in Flandern, bei Dьnkirchen, an der Oise und an der Somme. Im Juli 1940 erhielt Dietrich fьr die Erfolge als erster Soldat der Waffen-SS das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen.
Wдhrend des Balkanfeldzuges schlug die SS-"Leibstandarte" zuerst jugoslawische Verbдnde, durchbrach anschlieЯend die griechische Metaxaslinie und setzte dem britischen Expeditionskorps schwer zu. Ferner konnten Dietrichs Einheiten ьber 50.000 alliierte Soldaten gefangennehmen, darunter viele hohe Offiziere!
Im Juni 1941 trat die zur Division erweiterte Einheit zum Krieg gegen die Sowjetunion an. Im Verband der Heeresgruppe Sьd ьberwanden die Soldaten der "Leibstandarte" in wenigen Tagen die Stellungen der 6. sowjetischen Armee und nahmen zusammen mit Divisionen des Heeres an den Gefechten im Gebiet von Schitomir teil. Nach einem schnellen VorstoЯ nach Sьden konnten bei Uman mehrere Divisionen des Gegners vernichtet und ьber 100.000(!) Gefangene gemacht werden. Weitere Einsatzorte von Dietrichs Division waren Mariopol, Taganrog und Rostow. Fьr die hervorragenden Leistungen seiner Mдnner und persцnliche Verdienste im Gefecht erhielt General der Waffen-SS Dietrich am 31.Dezember 1941 das 41. Eichenlaub verliehen, das erneut erste innerhalb der Waffen-SS!
Aufgrund umfassender Verluste wurde die Elite-Division im Sommer 1942 von der Ostfront abgezogen und nach Frankreich verlegt. Nach einer lдngeren Ruhepause und der Umrьstung zur Panzergrenadierdivision kehrte sie im Februar 1943 nach Russland zurьck. Wo immer sie eingesetzt wurde, wurden die Russen aus ihren Stellungen geworfen, stark dezimiert oder zur Verstдrkung ihrer Truppen gezwungen. Aus mehreren aufgefangenen Funksprьchen ging hervor, dass die SS-"Leibstandarte" bei ihren jeweiligen Gegnern offene Furcht und Bewunderung hervorrief! Fьr die Verdienste seiner Division konnte der bei seinen Mдnnern hoch geschдtzte "Sepp" Dietrich am 14. Mдrz 1943 als erster Soldat der Waffen-SS die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub entgegennehmen.
Im Zuge der Operation "Zitadelle" fьhrte Dietrich seine Mдnner zusammen mit der SS-"Das Reich" (II. SS-PzKorps unter Hausser) sehr erfolgreich bei Bjelgorod und Prochorowka. Die Regimenter der Division, darunter auch bereits einige schwere Tiger- und Panther-Abteilungen, schossen in den Schlachten ьber 200 Feindpanzer ab! Die eigenen Verluste waren allerdings ebenfalls hoch. Im Sommer 1943 ьbergab Dietrich die Division an den spдteren Schwertertrдger Brigadefьhrer Wisch und ьbernahm das I. SS-Panzerkorps, welches er im kommenden Jahr zu legendдrem Ruhm fьhren sollte.
Wie bereits zu Beginn angesprochen, war Dietrich kein Mann der ьberlegten Taktik oder der durchdachten Strategie. Seine bessere Hдlfte in dieser Beziehung wurde der hochbegabte Stabsoffizier Standartenfьhrer Rudolf Lehmann, spдterer Eichenlaubtrдger und Kommandeur der SS-Panzerdivision "Das Reich".
In den Wochen nach der Invasion in der Normandie hatte sich Dietrich ernste Gedanken ьber die Weiterfьhrung des Krieges gemacht. Ьber die Material- und Personalьbermacht der Westalliierten und die eigenen Verlusten entsetzt, knьpfte er Kontakte zu GFM Erwin Rommel und erklдrte sich couragiert bereit, ihn im Falle eines Putsches gegen hitlertreue Truppen in Frankreich zu unterstьtzen! Дhnlich verhielt sich auch der SS-General und Schwertertrдger Wilhelm Bittrich. Jedoch lehnte Dietrich einen Bombenanschlag ab und sprach sich lediglich fьr die Verhaftung der Nazispitze aus.
Im Zuge des fehlgeschlagenen Anschlages blieb Dietrich von der Gestapo unverdдchtigt. Als der befreundete Generalleutnant Speidel verhaftet wurde, deckte der SS-General ihm den Rьcken. Bis Kriegsende blieb der hochdekorierte SS-Offizier der ersten Stunde selbst natьrlich unverdдchtigt - sein Charisma war unantastbar, seine Beliebtheit bei der Truppe nur mit der Popularitдt eines Erwin Rommel zu vergleichen.
Dietrichs Panzerkorps kдmpfte nach der alliierten Invasion in der Normandie und zog sich danach kдmpfend Richtung Nordfrankreich zurьck. Trotz der hoffnungslosen Ьbermacht der Alliierten konnten seine Truppen immer wieder Abwehrriegel aufbauen und den gegnerischen Vormarsch etwas bremsen. Fьr seinen persцnlichen Einsatz und in Anerkennung seiner tapferen Truppen erhielt Dietrich am 6. August 1944 als 16. Soldat und 2. Waffen-SS-Offizier die Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern verliehen. Am 01.08.44 war er zusammen mit Paul Hausser in den Rang eines SS-Oberstgruppenfьhrers aufgestiegen!
Im Anschluss fьhrte Dietrich ьbergangsweise die 5. Panzerarmee, ehe er im November 1944 ein neues Kommando antrat. Die 6. SS-Panzerarmee, bestehend aus neun kampferfahrenen Divisionen, war von Hitler erdacht worden - sozusagen als seine persцnliche Elite-Armee und zugleich letzte Hoffnung. Wo immer es brannte, sollte sie die Kohlen aus dem Feuer holen.
Die 6. SS-Panzerarmee kam erstmals wдhrend der Ardennenoffensive in Belgien zum Einsatz, wo sie zwar Erfolge, aber nicht den von Hitler erwarteten Durchbruch erreichen konnte. Im Frьhjahr 1945 in den Osten verlegt, kдmpften die Divisionen in Ungarn und Цsterreich.
Am Plattensee bewahrte Dietrich seine Armee vor der Vernichtung und fьhrte sie an den Rand von Wien. Nach schweren Gefechten in Ostцsterreich zog er sich mit seinen abgekдmpften Divisionen schlieЯlich nach Krems zurьck, wo er sich am 8. Mai 1945 in amerikanische Gefangenschaft begab. Hierbei sorgte Oberstgruppenfьhrer Dietrich dafьr, dass alle SS-Einheiten auch wirklich die Gegenwehr einstellten und nicht, wie von ihnen erwartet, "Widerstand bis zur Vernichtung" leisteten.
Nach dem Krieg wurde Oberstgruppenfьhrer a.D. Dietrich fьr das Malmedy-Kriegsverbrechen (siehe Joachim Peiper) wдhrend der Ardennenoffensive zu lebenslanger Haft verurteilt, da es als Oberbefehlshaber der 6. SS-Panzerarmee in sein Verantwortungsbereich fiel. 1950 wurde die Strafe auf 25 Jahre reduziert, 1955 schlieЯlich ganz ausgesetzt. Doch bereits 1957 wurde Dietrich erneut vor Gericht gestellt, diesmal wegen ErschieЯungen wдhrend des Rцhm-Putsches im Jahre 1934. Von den bundesdeutschen Behцrden zu 18 Monaten verurteilt, kam Dietrich im Februar 1959 endgьltig frei.
Als er sieben Jahre spдter, am 21.04.1966 in Ludwigsburg, Wьrttemberg verstarb, begleiteten Tausende ehemalige Soldaten seinen Sarg.