Bangkok - Kondome bleiben auf Jahre hinaus der einfachste und günstigste Schutz vor dem Aidsvirus. Trotzdem würden bei weitem nicht genügend Latexhüllen beim Sex benutzt berichteten Experten am Montag auf der Weltaidskonferenz in Bangkok.
Nur 20 Prozent von Kondomen geschützt
Im vergangenen Jahr seien weltweit nur rund 6,9 Milliarden Kondome verwendet worden, hieß es. Und davon hätten lediglich 2,7 Milliarden zum Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten gedient, die restlichen 4,7 Milliarden zur Familienplanung. Nötig wären aber nach Ansicht der Hilfsorganisation "Population Action International" (PAI) insgesamt 12 Milliarden.
"Nur 20 Prozent aller riskanten Sexkontakte werden von einem Kondom geschützt", erklärte Catherine Hankind, Vize-Direktorin der UN-Organisation UNAIDS. "Das muss auf 100 Prozent steigen." Um realistisch zu bleiben, strebe UNAIDS 60 Prozent an. Diese große Kondomlücke gebe es weltweit, keinesfalls nur in Afrika. Die Befürworter der Kondome wiesen darauf hin, dass es für eine bessere Kondomversorgung zu wenig Spenden gebe.
Uganda und Thailand als positive Beispiele
Allein im vergangenen Jahr infizierten sich 4,8 Millionen Menschen neu mit HIV, etwa die Hälfte von ihnen war zwischen 15 und 24 Jahre alt. Frauen werden über die große Fläche ihrer Schleimhäute in der Vagina doppelt so leicht infiziert wie Männer. "Kondome müssen überall kostenlos oder sehr günstig zu haben sein", verlangt PAI. In Uganda hätten Kondome dafür gesorgt, dass sich Aids in den 1990er Jahren langsamer verbreitete, in Thailand hielten Kondome in Bordellen das Virus aus der breiten Bevölkerung heraus.
Damit sei Thailand ein gutes Beispiel dafür, wie sich eine aggressive Werbung für Kondome auszahle, sagt Hankind. Dort hätten die Behörden jeden, der mit einer sexuell übertragbaren Krankheit in die Klinik kam, gefragt, woher er sie habe - um danach die Quelle aufzusuchen und auch dort für Kondome zu werben. Es reiche nicht aus, die Kondome einfach zu verteilen. Es brauche zusätzlich Aufklärungskampagnen. Dann würden Frauen die Kondome auch nutzen.
Rechte der Frauen stärken
Aber auch im Rest der Welt werde vielfach nicht offen genug über Kondome gesprochen, zum Beispiel wenn sich ein Paar noch nicht lange genug kenne und sich noch nicht auf HIV habe testen lassen, erklärten die Experten. Daher müsse überall ein offenes Klima für den Umgang mit der Latexhülle geschaffen werden. Stattdessen werde vielen Mädchen und Frauen Gewalt angetan, wenn sie sich auf diese Weise schützen wollten. Deshalb müssten zunächst einmal die Rechte der Frauen gestärkt werden, bevor sie ihren Schutz durchsetzen könnten, verlangt UNAIDS.
Auch nach Ansicht vieler in Bangkok vertretenden Selbsthilfegruppen sind die Rechte der Frauen ein zentraler Baustein in der Strategie gegen die Verbreitung des tödlichen Virus. Frauen machen inzwischen rund die Hälfte aller Neuinfizierten aus. Sowohl die PAI als auch UNAIDS verlangen eine bessere Schulbildung sowie mehr Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Frauen. (md/dpa)