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Toccata und Fuge auf Knopfdruck
Aydar Gaynullin brillierte zur Eröffnung der Akkordeontage auf dem Bajan
RHEINSBERG Schon die ersten Töne sind beeindruckend. Wer die Augen schließt, um die Musik zu genießen, wähnt sich in einem Orgelkonzert. Aber in der großen Kirche sitzt nur ein junger Mann mit einem Akkordeon. Gewaltige Klänge werden abgelöst von einem Spiel mit Akkorden und freien Läufen, mit Johann Sebastian Bachs "Toccata und Fuge" in d-Moll eröffnet Aydar Gaynullin sein Konzert.
Etwa 80 Besucher sind am Freitagabend in die Rheinsberger St.-Laurentius-Kirche gekommen, um das Konzert des russischen Bajan-Spielers zu erleben. "Bajan" ist die russische Bezeichnung für das, was bei uns Knopfakkordeon heißt und oft immer noch als typisches Laieninstrument angesehen wird, mit dem bei Volksfesten für Stimmung gesorgt wird.
Aydar Gaynullin belehrte die Konzertbesucher eines Besseren. Der Künstler aus Moskau wollte zeigen, dass auf diesem Instrument weit mehr gespielt werden kann als nur Volksmusik. Und das gelang ihm hervorragend. Er bot den Zuhörern einen musikalischen Querschnitt durch die Jahrhunderte – mit Werken von Bach, Scarlatti, Liszt, Prokofjew und Vivaldi. Letzterer hatte den Winter aus den vier Jahreszeiten eigentlich für ein Orchester mit einem Soloviolinisten geschrieben. Der 26-jährigen Musiker ersetzte mit zwei Händen ein ganzes Streichorchester.
Der Moskauer begann im Alter von acht Jahren Akkordeon zu studieren. Er schloss das Studium mit Auszeichnung ab, es folgte ein Aufbaustudium an der Musikhochschule in Berlin. Bei internationalen Wettbewerben konnte er sich mehrmals als erster Preisträger durchsetzen.
Am Freitagabend stellte Aydar Gaynullin auch sein kompositorisches Können unter Beweis – mit dem Stück "Eurasia". Elena Lutz aus Kirgistan unterstützte ihn mit ihrem Bajan auf kokette Weise. Die Instrumente trieben miteinander ein fröhliches musikalisches Spiel, die Melodien entfernten sich voneinander, um sich dann wieder gegenseitig zu ermuntern und sich zu vereinen. Die Blicke der beiden Instrumentalisten taten dazu ihr Übriges, verschmitzt lächelte Gaynullin die junge Frau an, die mit zärtlichen Blicken antwortete. Auch bei dem letzten Stück, einem Tango von Astor Piazzolla, flirteten Menschen und Instrumente, kleine Melodiefetzen schienen zwischen ihnen hin- und herzufliegen. Die Spannung wurde erst durch die Bravo-Rufe des Publikums aufgelöst.



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