Hermann Hesse. Das Glasperlenspiel |
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Hermann Hesse. Das Glasperlenspiel
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Das Glasperlenspiel
Musik des Weltalls und Musik der Meister
Sind wir bereit in Ehrfurcht anzuhoren,
Zu reiner Feier die verehrten Geister
Begnadeter Zeiten zu beschworen.
Wir lassen vom Geheimnis uns erheben
Der magischen Formelschrift, in deren Bann
Das Uferlose, Sturmende, das Leben,
Zu klaren Gleichnissen gerann.
Sternbildern gleich ertonen sie kristallen,
In ihrem Dienst ward unserm Leben Sinn,
Und keiner kann aus ihren Kreisen fallen,
Als nach der heiligen Mitte hin.
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Hermann Hesse. Zu einer Toccata von Bach |
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Hermann Hesse. Zu einer Toccata von Bach
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Zu einer Toccata von Bach
Urschweigen starrt... Es waltet Finsternis...
Da bricht ein Strahl aus zackigem Wolkenri?,
Greift Weltentiefen aus dem blinden Nichtsein,
Baut Raume auf, durchwuhlt mit Licht die Nacht,
La?t Grat und Gipfel ahnen, Hang und Schacht,
La?t Lufte locker blau, la?t Erde dicht sein.
Es spaltet schopferisch zu Tat und Krieg
Der Strahl entzwei das keimend Trachtige:
Aufglanzt entzundet die erschrockne Welt.
Es wandelt sich, wohin die Lichtsaat fllt,
Es ordnet sich und tont die Prachtige
Dem Leben Lob, dem Schopfer Lichte Sieg.
Und weiter schwingt sich, gottwarts ruckbezogen,
Und drangt durch aller Kreatur Getriebe
Dem Vater Geiste zu der gro?e Drang.
Er wird zu Lust und Not, zu Sprache, Bild, Gesang,
Wolbt Welt um Welt zu Domes Siegesbogen,
Ist Trieb, ist Geist, ist Kampf und Gluck, ist Liebe.
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Hermann Hesse. Buchstaben |
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Hermann Hesse. Buchstaben
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Buchstaben
Gelegentlich ergreifen wir die Feder
Und schreiben Zeichen auf ein wei?es Blatt,
Die sagen dies und das, es kennt sie jeder,
Es ist ein Spiel, das seine Regeln hat.
Doch wenn ein Wilder oder Mondmann kame
Und solches Blatt, solch furchig Runenfeld
Neugierig forschend vor die Augen nahme,
Ihm starrte draus ein fremdes Bild der Welt,
Ein fremder Zauberbildersaal entgegen.
Er sahe A und B als Mensch und Tier,
Als Augen, Zungen, Glieder sich bewegen,
Bedachtig dort, gehetzt von Trieben hier,
Er lase wie im Schnee den Krahentritt,
Er liefe, ruhte, litte, floge mit
Und sahe aller Schopfung Moglichkeiten
Durch die erstarrten schwarzen Zeichen spuken,
Durch die gestabten Ornamente gleiten,
Sah Liebe gluhen, sahe Schmerzen zucken.
Er wurde staunen, lachen, weinen, zittern,
Da hinter dieser Schrift gestabten Gittern
Die ganze Welt in ihrem blinden Drang
Verkleinert ihm erschiene, in die Zeichen
Verzwergt, verzaubert, die in steifem Gang
Gefangen gehn und so einander gleichen,
Da? Lebensdrang und Tod, Wollust und Leiden
Zu Brudern werden, kaum zu unterscheiden ...
Und endlich wurde dieser Wilde schreien
Vor unertraglicher Angst, und Feuer schuren
Und unter Stirnaufschlag und Litaneien
Das wei?e Runenblatt den Flammen weihen.
Dann wurde er vielleicht einschlummernd spuren,
Wie diese Un-Welt, dieser Zaubertand,
Dies Unertragliche zuruck ins Niegewesen
Gesogen wurde und ins Nirgendland,
Und wurde seufzen, lacheln und genesen.
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Hermann Hesse. Der letzte Glasperlenspieler |
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Hermann Hesse. Der letzte Glasperlenspieler
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Der letzte Glasperlenspieler
Sein Spielzeug, bunte Perlen, in der Hand,
Sitzt er gebuckt, es liegt um ihn das Land
Verheert von Krieg und Pest, auf den Ruinen
Wachst Efeu, und im Efeu summen Bienen.
Ein muder Friede mit gedampftem Psalter
Durchtont die Welt, ein stilles Greisenalter
Der Alte seine bunten Perlen zahlt,
Hier eine blaue, eine wei?e fa?t,
Da ein gro?e, eine kleine wahlt
Und sie im Ring zum Spiel zusammenpa?t.
Er war einst gro? im Spiel mit den Symbolen,
War vieler Kunste, vieler Sprachen Meister,
War ein weltkundiger, ein weitgereister,
Beruhmter Mann, gekannt bis zu den Polen,
Umgeben stets von Schulern und Kollegen.
Jetzt blieb er ubrig, alt, verbraucht, allein,
Es wirbt kein Junger mehr um seinen Segen,
Es ladt ihn kein Magister zum Disput;
Sie sind dahin, und auch die Tempel, Bucherein,
Schulen Kastaliens sind nicht mehr... Der Alte ruht
Im Trummerfeld, die Perlen in der Hand,
Hieroglyphen, die einst viel besagten,
Nun sind sie nur noch bunte glaserne Scherben.
Sie rollen lautlos aus des Hochbetagten
Handen dahin, verlieren sich im Sand...
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Hermann Hesse. Seifenblasen |
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Hermann Hesse. Seifenblasen
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SEIFENBLASEN
Es destilliert aus Studien und Gedanken
Vielvieler Jahre spat ein alter Mann
Sein Alterswerk, in dessen krause Ranken
Er spielend manche su?e Weisheit spann.
Hinsturmt voll Glut ein eifriger Student,
Der sich in Buchereien und Archiven
Viel umgetan und den der Ehrgeiz brennt,
Ein Jugendwerk voll genialischer Tiefen.
Es sitzt und blast ein Knabe in den Halm,
Er fullt mit Atem farbige Seifenblasen,
Und jede prunkt und lobpreist wie ein Psalm,
All seine Seele gibt er hin im Blasen.
Und alle drei, Greis, Knabe und Student
Erschaffen aus dem Maya-Schaum der Welten
Zaubrische Traume, die an sich nichts gelten,
In welchen aber lachelnd sich erkennt
Das ewige Licht, und freudiger entbrennt.
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